Kapitel
Der Unsichtbare
Simon hat das Unsichtbarsein zur Kunst gemacht. Doch der Blick des Campus-Königs findet ihn in jeder Menge — und an einem grauen Morgen kommt Jacob selbst auf ihn zu.
Der Funke
Jacob treibt Simon erneut in die Enge — doch diesmal beißt die Beute zurück. Ein Wort verändert die Jagd, und Priscilla hört etwas, das sie nie hätte hören sollen.
Scherben
Jacob macht Simons Qual zum öffentlichen Spektakel, und hundert Handys gehen hoch, um es zu filmen. In Simon zerbricht etwas endgültig — und der Junge, der schweigend ertrug, kommt nicht zurück.
Hitze
Simon flüchtet in die leere Umkleide, um die Demütigung abzuwaschen — doch Jacob wartet dort, und im heißen Dampf zerreißt endlich die Grenze zwischen Hass und Verlangen.
Der Griff
Simons Kussversuch bringt Jacobs Wut zur Explosion. An der Kehle gepackt, sein jahrelang gehütetes Geheimnis ans Licht gezerrt, begreift Simon die grausamste Wahrheit: Niemand würde ihm je glauben.
Das erste Glied
Das Geheimnis ist heraus — und jeder bleibt damit allein. Jacob beschließt, seine Beute mit niemandem zu teilen, während Simon am äußersten Rand das Einzige findet, für das es sich lohnt, auf morgen zu warten: ein einziges Gespräch.
Der Wolkenbruch
Ausgehöhlt nach der Cafeteria träumt Simon von Ketten und totaler Kontrolle über Jacob. Als Ashley anbietet, ihn von der Uni werfen zu lassen, fährt Simon sie voller Wut an: Jacob gibt er an niemanden ab.
Der Thron
Jacob wird zum Direktor zitiert: Ashleys Berichte bedrohen ihn mit dem Rauswurf. Simon soll die Vorwürfe bestätigen — doch in der Tür steht ein anderer Simon, ruhig und fremd, für den dies kein Prozess ist, sondern eine Probe.
Freunde
Statt Jacob zu versenken, lügt Simon dem Direktor ins Gesicht: „Wir sind Freunde." Ein Wort rettet den König vor dem Rauswurf — und macht ihn zum Schuldner. Dann lädt Simon ihn zu sich ein, und die Beute betritt aus freiem Willen die Höhle.
Die Bestie
Simon geht vor allen auf Jacob zu und bittet um sein Auto — eine öffentliche Probe. Als Craig eine Beleidigung schleudert, fährt Jacob die eigenen Leute an, um Simon zu verteidigen, und Priscilla beginnt zu rechnen. Ohne etwas zu fühlen, hat Simon die Schlaftabletten und die Ketten längst gekauft: Um sechs fährt die Bestie von selbst in die Falle.
Begehren
Eine Stunde allein im Auto — die erste in Simons Leben. Während Jacob ruhig zum Landhaus fährt, versinkt Simon in einer Fantasie von seinen Händen, und die Erinnerung an die Zurückweisung in der Umkleide zerschneidet den letzten Faden. Wenn ein Gott das Opfer verweigert, wird das Opfer selbst zum Gott.
Das Versteck
Simon fährt Jacob tief in den Wald, zu einem verlassenen Haus, das er „vorbereitet" hat. Der Instinkt schreit Gefahr, doch Stolz und eine dunkle Neugier tragen den König hinein. Am Kamin wartet ein Stuhl, in der Tasche warten Ketten, und in seinem Bier wartet bereits ein weißes Pulver. Jacob überhört die Stimme, die wie Angst klingt — und nimmt den ersten Schluck.
Süße Träume
Am Kamin versucht Jacob endlich, ehrlich zu sprechen — und berührt Simon zum ersten Mal, ohne ihm wehtun zu wollen. Doch das Pulver ist längst in seinem Bier aufgelöst. Während sein Verstand erlischt, hält Simon ihn mit schmerzhafter Zärtlichkeit — und legt ihn neben die Ketten, die unter den Decken warten.
Bitte Mich Sanft
Jacob erwacht an einen Stuhl vor dem Feuer gekettet. Simon schneidet ihm das Shirt auf und verlangt die Wahrheit: warum er, drei Jahre lang? Das Geständnis bricht hervor zusammen mit Jacobs grausamster Lüge — und Simon holt aus der Tasche keine Ketten, sondern Tablettenfläschchen.
Schwanengesang
Simon plant eine Nachricht an Craig — eine Rettung für Jacob, aber nicht für sich selbst. Nachdem er den Angeketteten mit einer Decke zugedeckt hat, schluckt er vor seinen Augen die Tabletten. Zum ersten Mal wirken Jacobs Befehle nicht, und die drei Meter bis zum liegenden Körper sind größer als die ganze Welt.
Der Wächter
Durch Ashleys Augen: wie sie Simon freiwillig ins Auto steigen sah, wie sie ihn den ganzen Tag suchte und wie ein Vater auf das Verschwinden seines Sohnes mit dem Versprechen antwortete, ihm die Beine zu brechen. Als sie durch das Fenster des Waldhauses blickte, sah sie eine umgekehrte Welt — und tätigte den Anruf, der den Countdown auslöste.
Nur Meiner
Simon erwacht im Krankenhaus — lebendig, entgegen seinem eigenen Plan. Jacob hat ausgesagt und die Polizei belogen, um ihn zu decken. Dann betritt er das Zimmer ohne Jacke und Gefolge, sieht ihm zum ersten Mal wirklich in die Augen und sagt: Jetzt gehörst du nur mir.
Tageslicht
Das nächtliche „Jetzt gehörst du nur mir" überlebt das Tageslicht nicht. Jacob parkt fünf Minuten vom Campus entfernt, küsst Priscilla vor allen und lacht mit Craig über Simon am Boden. Dann, in einer leeren Toilette, zieht er ihn wieder an sich — bis die Tür aufgeht.
Der Riss
Auf dem Toilettenboden erlischt in Simon ein Raum nach dem anderen — und der Riss schließt sich nicht mehr. Zum ersten Mal blickt er auf Jacob herab, mit Mitleid. Jacob bringt Craig mit der Leine seines Vaters zum Schweigen, doch das Wort „mein" erweist sich als Halsband mit zwei Enden. Simon blockiert seine Nummer und geht zum Direktor.
Der Biss
Simon weicht ihm den ganzen Tag aus — doch es gibt nur eine Straße nach Hause. Im Regen schleudert Jacob sein Fahrrad in den Graben und küsst ihn mit Gewalt, und zum ersten Mal hinterlässt Simon ein Mal auf einem fremden Körper: Er beißt Jacob die Lippe auf. Dann wird er ohnmächtig — und erwacht dort, wo nicht sein Zuhause ist.
Spuren
Simon wacht in einem Haus auf, aus dem ihn niemand hinauswirft — und bleibt. Jeder von beiden hat seine eigene Art, Craig ruhigzustellen, und beide haben soeben aufgehört zu funktionieren. Und am Abend stellt Jacob eine Frage, bei der er besser geschwiegen hätte.